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„Kork bietet noch viel Potenzial“

17.10.2014

Ob Textilien, Holz oder Metalle – als Material-Berater und Innenarchitekt ist Hannes Bäuerle* fasziniert von Werkstoffen aller Art. In diesem Interview spricht er über den Trend zu neuer Wertigkeit, nachhaltige Bauweisen und seine Vorliebe für pure und ehrliche Materialien.


Herr Bäuerle, Sie beschäftigen sich tagtäglich mit neuen Materialien für die Ausstattung von Objekten. Welche Trends sehen Sie dabei aktuell?


Hannes Bäuerle: Im Moment beobachte ich die Weiterentwicklung des Used Looks: Die Materialien dürfen nach wie vor Gebrauchsspuren zeigen, werden aber edler, massiver und echter. Ein typisches Beispiel dafür ist der Einsatz von Althölzern oder künstlich gealterten Hölzern. Überhaupt sind Oberflächen mit Struktur – dazu gehören auch verwitterte Strukturen aus der Natur – für Innen und Außen sehr gefragt. Daneben gibt es einen starken Trend zu Buntmetallen wie Kupfer, etwa als Material für Kleinmöbel und Accessoires. Farblich dominieren matte Braun- beziehungsweise Erdtöne.


Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht nachhaltige Baustoffe?


Hannes Bäuerle: Eine leider immer noch zu kleine! Für mich bedeutet eine Steigerung der Nachhaltigkeit auch eine Steigerung der Lebensqualität. Heute ist die Schadstoffbelastung in den Räumen oft höher als draußen. Dabei gibt es zahlreiche tolle Materialien, die für ein gesundes Wohnumfeld sorgen. Ich würde mir wünschen, dass davon mehr eingesetzt werden. Zudem sollte man beim Bauen und Renovieren gleich etwas mehr in recycelfähige Materialien investieren. Das rechnet sich langfristig, da die Lebenszyklen von Gebäuden immer kürzer werden und die Entsorgungskosten steigen.


Sie waren selbst in Portugal in den Korkeichenwäldern. Welche Eindrücke haben Sie von dort mitgenommen?


Hannes Bäuerle: Es war faszinierend zu erleben, wie dieses Material entsteht. Die Korkeichenwälder prägen ein ganz eigenes Landschaftsbild. Die Bäume stehen deutlich luftiger als in deutschen Wäldern und es gibt jede Menge Flora und Fauna. Eine tolle Fotolokation. Die Ernte der Rinde ist echte Handwerkskunst und geht doch erstaunlich schnell. Anschließend bekommt der Baum wieder viel Zeit, damit eine neue Korkschicht nachwachsen kann. Seit ich das mit eigenen Augen gesehen habe, hat das Material für mich eine noch größere Wertigkeit bekommen.
(Anmerkung von Schöner Leben. Mit Kork: Über seinen Besuch der Korkeichenwälder in Portugal hat Hannes Bäuerle auf dem materialBLOG berichtet - hier geht's zu seinem Beitrag.) 


Wo überall kann Kork verwendet werden?


Hannes Bäuerle: Für Kork erschließen sich gerade viele neue Einsatzbereiche. Bekannt ist er als Boden und als Dämmmaterial. Hier kommen ihm seine isolierenden Eigenschaften zugute. Neu ist aber die Anwendung als sichtbares Fassadenmaterial. Hierzu gibt es aktuell ein spannendes Projekt in Kenzingen im Breisgau, wo ein Lagergebäude mit einer Sichtkorkfassade versehen wurde.
Ein toller Werkstoff ist Kork dank seiner wunderbaren Formbarkeit für Designer. Man sieht immer mehr Sitzmöbel, Beistelltische, Spielsachen und Wohnaccessoires aus diesem Material.


In den 70ern und 80ern hatte Kork in der Wohnung ja eher eine Öko-Anmutung. Wie ist das heute?


Hannes Bäuerle: Wie gesagt, viele Möbeldesigner wie zum Beispiel Jasper Morisson haben Kork bereits wieder für sich entdeckt. Zudem sieht man zurzeit auch vermehrt Naturkorkböden und sogar -wände. So habe ich beispielsweise vor kurzem eine große Korkwand im Vitrahaus in Weil am Rhein entdeckt. Sie war mit aktuellen Designermöbeln kombiniert – ein spannender Kontrast zwischen Retro-Image und Moderne.


Wie sieht Ihre Zukunftsprognose für Korkfußböden aus?


Hannes Bäuerle: Schon allein was die Funktionalität angeht, sprechen viele Argumente für Korkfußböden. Sie sind fußwarm und gelenkschonend, haben eine angenehme Haptik und wirken sich positiv auf das Raumklima aus. Zudem ist Kork ein nachwachsender Rohstoff und vollständig recycelbar. Optisch steht Planern und Architekten ebenfalls eine breite Vielfalt zur Verfügung. Daher glaube ich, dass dieses Material für die Zukunft noch viele Möglichkeiten bietet.


Welche Korkfußböden bevorzugen Sie persönlich?


Hannes Bäuerle: Spannend finde ich zum Beispiel Böden mit Korkrindenfurnier. Hier gibt es noch viel Potenzial für neue Zusammensetzungen. Aber auch Presskork mit seinen verschiedenen Maserungen und der sehr dunkle Brandkork vermitteln eine tolle Materialehrlichkeit.


Wo überall können Korkböden aus Ihrer Sicht eingesetzt werden?


Hannes Bäuerle: Korkfußböden passen dank der großen Bandbreite an unterschiedlichen Oberflächen-Designs theoretisch zu allen Einrichtungsstilen. Neben dem privaten Bereich eignen sich Korkbeläge optisch und funktional sehr gut für das Objektgeschäft. So beispielsweise für Büros, Restaurants, Hotels oder auch für Geschäftsräume. Gerade Naturkork ist meiner Meinung nach ein tolles Material, das noch viel Potenzial bietet.


 


*Hannes Bäuerle ist Geschäftsführer der Materialagentur Raumprobe und als freier Journalist für verschiedene Architekturmedien tätig. 


 


Weitere Informationen im Internet unter www.kork.de und www.schoener-leben-mit-kork.de.


Über APCOR


APCOR – Associação Portuguesa de Cortiça – ist der portugiesische Korkverband. Gegründet 1956 versteht er sich als Vertreter der portugiesischen Korkindustrie. Zu seinen Hauptaufgaben zählt die nationale und internationale Förderung, Weiterentwicklung und Vermarktung des Rohstoffes und seiner unterschiedlichen Produkte. APCOR hat seinen Hauptsitz in Santa Maria de Lamas, Portugal. Weitere Informationen unter www.realcork.org.


Über den Deutschen Kork-Verband (DKV)


Der Deutsche Kork-Verband e.V. wurde 1985 gegründet. Zweck des Verbandes ist die Wahrnehmung und Förderung aller gemeinsamen Belange der in ihm zusammengeschlossenen Unternehmen. Neben der branchenpolitischen Interessenvertretung der Mitgliedsfirmen liegen die Schwerpunkte der Verbandstätigkeit in der Qualitätssicherung für Produkte aus Kork, in der Verbesserung der Herstellungs- und Verarbeitungsmethoden sowie in der Initiierung und Unterstützung von Forschungsprojekten über das nachwachsende Naturprodukt Kork und die daraus entstehenden Endprodukte.


Zur Sicherung eines einheitlichen Qualitätsstandards hat der Deutsche Kork-Verband gemeinsam mit dem eco-Institut in Köln ein Gütesiegel entwickelt: das Kork-Logo. Die seit 1997 bestehende Zertifizierung wird an Produkte vergeben, die den in Europa geltenden technischen und chemischen Normen entsprechen. Damit ist gewährleistet, dass alle verwendeten Materialien und Stoffe umweltfreundlich sind. Weitere Informationen unter www.kork.de.


 

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